Am 11. Februar ist der Tag des Europäischen Notrufs 112. Die Ärztinnen und Ärzte für den Notarztdienst in Braunau werden ausschließlich aus der Abteilung für Anästhesiologie, operative Intensivmedizin, Notfallmedizin und Schmerztherapie des Krankenhauses St. Josef Braunau rekrutiert. Prim. Dr. Florian Neuhierl, Leiter der Abteilung, beantwortet zum Tag des Europäischen Notrufs zehn Fragen.
Am 11. Februar ist der Tag des Europäischen Notrufs. Was hat es damit auf sich?
Prim. Dr. Neuhierl: In Europa gab und gibt es seit vielen Jahren national unterschiedlichste Notrufnummern. Im Jahr 1991 wurde die Telefonnummer 112 als einheitliche europäische Notrufnummer eingeführt. Sie ist von jedem Telefon und Handy aus ohne Vorwahl und ohne notwendiges Entsperren kostenlos wählbar.
Was ist bei einem Notruf zu beachten?
Natürlich macht es Sinn, die österreichische Notrufnummer für Feuerwehr (122), Polizei (133) oder Rettungsdienst (144) direkt zu wählen. In jedem Fall kommt man an eine kompetente Stelle, die den Notruf annimmt und entsprechend weiterleitet. Viele erinnern sich vielleicht noch dunkel an verschiedenste Merksätze, was man beim Notruf alles sagen muss. Letztlich ist es nur wichtig, den Schadensort und die eigene Erreichbarkeit für Rückfragen parat zu haben. Alle weiteren Fragen werden strukturiert gestellt, um die geeignete Hilfe zu entsenden. Vielleicht am Wichtigsten ist es, das Gespräch erst nach Aufforderung zu beenden, damit keine Fragen offenbleiben oder nicht noch wichtige Hinweise verloren gehen. Gerade bei medizinischen Notfällen können die Rettungsleitstellen lebensrettende Sofortmaßnahmen sehr gut am Telefon anleiten.
Ist der Notruf für jedes medizinische Problem zuständig?
Nein. Ein medizinischer Notruf sollte nur abgesetzt werden, wenn eine akute Gefährdung für Leben und Gesundheit vorliegt. Bei allen anderen medizinischen Fragestellungen ist der eigene Hausarzt oder die Telefonnummer 1450 der geeignetere Ansprechpartner. Bei Schnupfen, Husten und Heiserkeit ist der Notarzt nicht der Richtige. Er ist zuständig, akute Störungen der lebenswichtigen Funktionen zu behandeln.
Wie wird man eigentlich Notärztin bzw. Notarzt?
Mittlerweile ist die Ausbildung zur Notärztin, zum Notarzt sehr anspruchsvoll. Grundlage ist natürlich ein erfolgreich abgeschlossenes Medizinstudium. Es schließt sich eine mindestens 33-monatige Ausbildung an. Hier gilt es, ein Curriculum zu durchlaufen, welches zum einen den 80-stündigen Notarztkurs sowie einen aufwändigen Maßnahmenkatalog beinhaltet. Erst wenn das notwendige Wissen in Theorie und Praxis erworben wurde kann man zur Notarztprüfung bei der Ärztekammer antreten.
Wie organisiert sich denn der Notarztdienst in Braunau?
Bei uns am Krankenhaus St. Josef Braunau sind nur Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Abteilung für Anästhesiologie, operative Intensivmedizin, Notfallmedizin und Schmerztherapie im Notarztdienst für den Bezirk Braunau tätig. Meine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind für die Bürgerinnern und Bürger jeden Tag rund um die Uhr einsatzbereit.
Gibt es einen Notarztmangel?
An unserem Standort absolut nicht. Wir haben bislang immer genügend interessierten Nachwuchs, aber auch die „alten Hasen“ bleiben dem Notarztdienst treu. So haben wir immer knapp 20 Notärztinnen und Notärzte im aktiven Dienst.
Werden viele Einsätze gefahren?
Im Jahr 2025 kam der Notarztdienst Braunau 1.626-mal zum Einsatz.
Um welche Einsätze handelt es sich denn hierbei?
Die meisten Einsätze finden im häuslichen Bereich statt. Hier führen die Erkrankungen von Herz und Kreislauf. Aber natürlich fahren wir auch zu Unfällen. Die Notfallmedizin ist eine der letzten Disziplinen, wo wir vom Neugeborenen bis zum Greis alle Altersstufen mit allen denkbaren Problemen versorgen. Das macht unsere Aufgabe herausfordernd, aber auch abwechslungsreich.
Und wenn der Alarm kommt, steigt die Notärztin/der Notarzt ein und fährt los?
Nein – sie bzw. er wird abgeholt. Als Notärztin und Notarzt kommt man bei uns nie allein. Wir arbeiten immer im Team mit unseren NEF-Sanitätern des ÖRK Braunau. Das Rote Kreuz betreibt das Notarzteinsatzfahrzeug (NEF) und besetzt es mit erfahrenen Notfallsanitäterinnen und Notfallsanitätern. Sofort nach dem Alarm treffen sich Notarzt und NEF-Sani vorm Krankenhaus und fahren gemeinsam zum Einsatz. Dort versorgen sie als Team die Patientinnen und Patienten zusammen mit den anderen Rotkreuzkollegen, die mit dem Rettungswagen dazukommen.
Was wünschen Sie sich für die Zukunft?
Wir haben in Österreich die besten Voraussetzungen für eine gute medizinische Versorgung. Sowohl an der Einsatzstelle als auch in den Krankenhäusern. Ich halte eine regionale Versorgung unserer Patientinnen und Patienten für wichtig. Medizin sollte dort angeboten werden, wo die Menschen leben. Am Ende spart das die Ressourcen, die wir woanders vielleicht brauchen. Unsere medizinischen Kompetenzzentren sollten für die echten Spezialfälle freigehalten werden.



