Der Alltag in einem Krankenhaus ist straff durchgeplant; viele kleine Rädchen müssen reibungslos ineinandergreifen. Doch was passiert, wenn die gewohnten Bahnen verlassen werden müssen? Um für den Ernstfall bestens gerüstet zu sein, fand am 8. Oktober im Krankenhaus St. Josef Braunau gemeinsam mit dem Roten Kreuz eine großangelegte Katastrophenschutzübung statt.
„Wir haben aus der Übung gelernt, dass ein Katastrophenplan kein starres Dokument ist. Er muss regelmäßig überprüft, aktualisiert und im Rahmen solcher praxisnahen Szenarien erprobt werden. Nur so lassen sich blinde Flecken oder Reibungsverluste rechtzeitig erkennen und beheben“, betont Erwin Windischbauer, MAS, Geschäftsführer des Krankenhauses St. Josef Braunau. „Mein Dank geht an alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die an der Planung und Ausführung dieser Übung beteiligt waren und die damit mitgeholfen haben, dass wir im Ernstfall unsere Bevölkerung bestmöglich versorgen können.“
„Wir hatten grundsätzlich während der gesamten Übung alles unter Kontrolle. Sinn der Übung war es, Schwächen im System herauszufinden. Das haben wir gut erreicht. Das eine oder andere, was in der Theorie gut ist, müssen wir in der Praxis nachbessern. Wir haben gesehen, dass wir nur mit dem Üben künftig etwas besser machen können. Ich möchte mich auch bei allen Blaulichtorganisationen, ganz besonders beim Roten Kreuz, für die gute Zusammenarbeit bedanken“, erklärt Prim. Dr. Jürgen Barth, Leiter der Abteilung für Orthopädie und Traumatologie.
Interner Katastrophenplan als solides Fundament
Ob Großschadensereignis, ein Brand, ein schwerer technischer Ausfall oder außergewöhnliche Lagen: Krankenhäuser sind gesetzlich und moralisch verpflichtet, jederzeit auf unvorhersehbare Krisen vorbereitet zu sein. Der interne Katastrophenplan sowie diverse Spezialpläne bilden dafür das solide Fundament. Sie stellen sicher, dass auch unter extremem Druck strukturiert, koordiniert und vor allem effizient gehandelt wird.
Das Szenario: Explosion im Chemielabor
Um die Abläufe realitätsnah zu testen, wurde ein anspruchsvolles Ernstfallszenario gewählt: Eine Explosion in einem Chemielabor einer weiterführenden Schule. Innerhalb kürzester Zeit mussten zahlreiche Verletzte mit schwersten, teils sehr unterschiedlichen Verletzungen in der Notaufnahme versorgt werden. Die entscheidenden Fragen, die sich für den Krisenstab stellten, lauteten: Wie viele Patientinnen und Patienten können direkt vor Ort optimal versorgt werden? Müssen Verletzte in umliegende Krankenhäuser verteilt werden? Welche Kapazitäten weist das eigene Haus noch auf und wie viel zusätzliches Personal muss alarmiert werden?
Notfallwege ändern sich – bauliche Änderungen berücksichtigt
Besonderes Augenmerk lag bei dieser Übung auch auf den veränderten räumlichen Gegebenheiten. Umfangreiche bauliche Modernisierungen und Erweiterungen im Braunauer Krankenhaus machten es notwendig, sämtliche Notfallwege und Logistikketten komplett neu zu denken. Wo treffen Verletzte künftig ein und wo verläuft der Transport am sichersten? Wo lassen sich temporäre Notfallarbeitsplätze einrichten, damit es zu keinen zeitlichen Verzögerungen in der lebensrettenden Akutversorgung kommt? Die Übung lieferte hier wertvolle, praxisnahe Erkenntnisse.
Sicherheit durch Routine – andere schützen erfordert Selbstsicherheit
Ein zentraler Baustein des Trainings war die Eigensicherung des medizinischen Personals. Denn nur wer in einer Krisensituation ruhig und absolut sicher agiert, schützt sich selbst und kann effektiv anderen helfen. Auf diese Weise bleibt die Einsatzfähigkeit des Teams auch unter extremen Bedingungen erhalten.





